Band-Comebacks

Hallo, da sind wir wieder

2007 wird zum Jahr der Band-Reunions. Nach "Take That", "a-ha" und den "No Angels" wollen nun auch die "Smashing Pumpkins" einen zweiten Versuch wagen. Braucht die Welt das?

Chris Tomas

 

Ja, die gute alte Zeit! Damals war alles schöner, wilder und billiger, das Leben war besser und wurde begleitet von noch besserer Musik. Diese Zeit lässt sich zwar nicht zurückholen – den Soundtrack dazu aber schon. Das zumindest könnte erklären, warum immer wieder, so auch derzeit etliche Bands ihr Revival ausrufen. Ob "Genesis" oder die "No Angels", ob "Take That" oder "O.M.D.", über das Musikgeschäft schwappt eine Welle der Nostalgie. Jüngst ging im Internet sogar das Gerücht um, es gäbe eine "Nirvana"-Reunion.


Klar - was einmal richtig gut war, kann später kaum wirklich schlecht sein. Gute Musiker bleiben gute Musiker, auch wenn dreißig Jahre vergehen, und Fans sind in der Regel treu. Ein paar Falten mehr, ein Mitglied ausgestiegen, ein anderes gestorben – was macht das schon, wenn es die ganz Großen noch einmal miteinander versuchen wollen? So scheint es, doch in der Realität ist ein Band-Comeback gar nicht so leicht, wie es aussieht.

 

Neustart in die Mittelmäßigkeit


Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die meisten Band-Reunions eher mittelmäßigen Erfolg hatten. Die 2002 wiedervereinten "Doors" zogen eine Weile und natürlich ohne ihren verstorbenen Sänger Jim Morrison durch die Lande, brachten aber keine neue Platte heraus. Bei den Fans stieß die Combo mit neuem Sänger Ian Astbury auf geteiltes Echo – auch wenn der neue Bandname "Doors of the 21st Century" die Veränderung nach außen tragen sollte. Der norwegischen Band "a-ha" gelang zwar mit ihrer Wiedervereinigung 2000 zumindest in Deutschland ein erfolgreiches Comeback; in anderen Ländern jedoch floppten die Songs. Und die einst so einflussreiche Indie-Band der "Go-Betweens" trennte sich nur vier Jahre nach ihrer mit so viel Spannung erwarteten Reunion.


Vermutlich ist in den meisten Fällen das Comeback von vornherein ein kurzfristiger Plan. Somit ist auch der musikalische "Output" von wiedervereinigten Bands eher gering. Viele bringen nicht einmal neue Songs heraus, sondern recyclen alte Hits. Es erscheint ein "Best Of"-Album, wahlweise mit dem Titel "Their Greatest Hits" oder "All The Singles" angereichert mit ein, zwei bis dato unveröffentlichten Liedern. Mehr Zeit verbringt die wiedervereinte Band mit gigantischen Konzerten, deren Eintrittspreise einem die Tränen in die Augen treiben.


Nostalgie an der Chartspitze


Aber was tun Fans nicht alles, um einmal im Leben die großen Helden von damals zu sehen. Darin nämlich liegt die eigentliche Anziehungskraft wiederbelebter alter Formationen. Nicht in der Musik, die die alternden Musiker zum x-ten Mal herunternudeln. Auch nicht in der Aura, denn der Charme früherer Zeiten ist mit den Jahren meist davon geweht.


Nein, es ist das Gefühl, die Vergangenheit in die Gegenwart zu holen, wieder jung zu sein, den Soundtrack zur eigenen Jugend noch einmal zu hören. Das gilt auch für die Band selbst. Billy Corgan etwa, einst Sänger der "Smashing Pumpkins", schaltete eine ganzseitige Anzeige in der amerikanischen Zeitung, in der er seine ehemaligen Bandmitglieder zu einer Reunion aufrief. Nostalgie ist eben ein universelles Gefühl.


Schwieriger Balanceakt


Bands, die sich wieder vereinen, müssen vorsichtig mit diesem Gefühl umgehen. Sie dürfen zum Beispiel nicht leichtfertig Mitglieder austauschen, denn das zerstört die Illusion. Vor allem nicht, wenn diese auf tragische Weise umgekommen sind oder zuvor das Gesicht der Band maßgeblich geprägt haben. Sie müssen außerdem zeigen, dass es ihnen um die Musik geht und nicht um Publicity und Geld.


Sie müssen den Spagat zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart schaffen. Sie müssen zeigen, dass sie noch die Alten sind, aber auch Neues können. Und – so kurios es klingt, es ist mit Sicherheit die schwerste Aufgabe – sie dürfen sich dabei nicht lächerlich machen. Wenn "Take That" zum Beispiel den fehlenden Robbie Williams bei einem Konzert als Hologramm auf die Bühne blenden, fühlt sich selbst der größte Fan verschaukelt.


Alte Liebe rostet nicht


Wenn die Gruppen aber all diese Regeln beachten, kann ein neuer Versuch durchaus gelingen. Denn letztlich eine Band-Reunion ist wie das Aufwärmen einer alten Liebe: Man kennt sich, liebt sich, verzeiht auch Fehler. Es kann der finale Schlussstrich sein – oder aber noch einmal richtig, richtig gut werden.


Nichtsdestotrotz ist es manchmal besser, die Reunion sein zu lassen. Bands, die gerade durch ihre Trennung erst zu Legenden wurden – wie "ABBA" oder die "Beatles" – können an Ansehen eigentlich nur noch verlieren. Und: So bleibt Raum für Gerüchte, ohne die das Musikgeschäft ja nur halb so viel Spaß machen würde. Die stete Hoffnung, die Spitzenreiter vergangener Zeiten würden ein Comeback wagen, ist schließlich immer ein gutes Thema. Oder wussten Sie schon, dass "Nirvana" anscheinend ein Comeback plant?

 

Erschienen bei ARD.de am 13. Februar 2007